GEDÄCHTNISSTÖRUNGEN
Gedächtnisstörungen nach erworbener Hirnschädigung
Was
sind
Unter
Gedächtnisstörungen (Lern- und Merkfähigkeit) versteht man Schwierigkeiten,
sich Informationen und Erlebtes einzuprägen, zu behalten und sich daran wieder
zu erinnern. Man spricht dann von Störungen, wenn sich das Gedächtnis durch
eine Krankheit wesentlich verschlechtert hat und die Leistungen nicht mehr denen
der Altersgruppe entsprechen. Patienten mit Gedächtnisstörungen haben zum
Beispiel Schwierigkeiten, sich Namen, Personen, Verabredungen, Termine oder Wege
zu merken.
Man
unterscheidet zwischen Kurzzeit-, Langzeit- und Altgedächtnis. Störungen in
diesen verschiedenen Bereichen wirken sich im Alltag sehr unterschiedlich aus.
Da nicht alle Reize aus der Umwelt gespeichert werden können, findet zunächst
teils unbewusst, teils auch bewusst, eine Filterung dieser Reize statt. Danach
gelangt der Teil der Informationen, die durch den Filter hindurch gekommen sind,
in das Kurzzeitgedächtnis, wo sie für
wenige Minuten verbleiben. Erst durch Wiederholen, bewusstes Lernen oder eine
starke emotionale Verknüpfung werden Informationen schließlich in das
Langzeitgedächtnis
übertragen. Dort können sie Minuten bis Jahre verbleiben. Im
Altgedächtnis sind Ereignisse vor der Krankheit, die Monate oder
gar Jahre zurückliegen, abgelegt. Wichtige Aspekte des Altgedächtnisses sind
das biographische Gedächtnis (Kenntnisse der eigenen Lebensgeschichte) sowie
allgemeines und fachliches Wissen eines Menschen (z.B. Schul- oder
Berufswissen). Treten Störungen des Altgedächtnisses auf, müssen nicht alle
alten Erinnerungen betroffen sein. In der Regel sind am stärksten die kürzer
zurückliegenden Gedächtnisinhalte beeinträchtigt, Kindheitserinnerungen können
dagegen meist gut erinnert werden.
Häufig
sind nach einem Unfall Erinnerungslücken vorhanden, die sich auf den Zeitraum
von einigen Minuten, Stunden oder Tagen vor dem Unfallereignis erstrecken. Man
spricht in diesen Fällen von einer retrograden
Amnesie. Auch nach dem Unfall, insbesondere wenn der Patient längere Zeit
ohne Bewusstsein war, setzt das Gedächtnis nicht sofort wieder ein. Der
Zeitraum, der nach dem Schädel-Hirn-Trauma nicht erinnert werden kann, wird als
anterograde Amnesie bezeichnet. Im
Verlauf der Genesung können verloren geglaubte Erinnerungen zurückkommen. In
der Regel bleiben jedoch die letzten Sekunden vor einem Unfall sowie die Tage,
die der Patient im Koma verbracht hat, unwiederbringlich verloren.
Gedächtnisstörungen
können sich auf einzelne Aspekte beschränken. Bei
Sprachstörungen ist auch häufig
der Abruf von sprachlichen Informationen (z.B. Namen, Nachrichten), das
Verbalgedächtnis,
beeinträchtigt. Andere Patienten hingegen können gerade nichtsprachliches
Wissen schwer erinnern, wie z.B. Gesichter von Personen oder Wege (Figuralgedächtnis).
Gedächtnisstörungen
können nach diesem Modell mehrere Ursachen haben. Wenn beispielsweise der
Filter zuviel oder zuwenig Reize durchlässt, ist die Informationsaufnahme gestört.
Wenn die Speicherung in das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt ist,
verschwinden Gedächtnisinhalte bereits nach wenigen Minuten für immer. Die häufigste
Ursache für Gedächtnisstörungen besteht jedoch in der Schwierigkeit, etwas
bereits Gelerntes wieder aus dem Langzeitgedächtnis abzurufen.
Bei
schweren Gedächtnisstörungen kann es sein, dass den Patienten ihr
Erinnerungsproblem nicht bewusst ist und sie deshalb Verbesserungen z.B. der
Angehörigen als unbegründet erleben. Sie leiden unter einer mangelnden oder gänzlich
fehlenden Störungseinsicht.
Patienten reagieren dann auf Korrekturen gereizt und Erinnerungslücken können
überspielt werden. So kann es z.B. vorkommen, dass der Patient Schwierigkeiten
hat, sich die Namen des Pflegepersonals oder der behandelnden Therapeuten zu
merken. Anstelle der tatsächlichen Namen werden unbekannten Personen dann häufig
Namen von Verwandten oder Arbeitskollegen gegeben.
Wie werden
Gedächtnisstörungen festgestellt?
Zunächst
sollten organische Beeinträchtigungen der Sinnesorgane wie Schwerhörigkeit und
Wie kann man Gedächtnisstörungen
behandeln?
Nach
neueren Erkenntnissen funktioniert das Gedächtnis nicht wie ein Muskel, der
durch häufiges Üben trainiert werden kann. Deshalb ist es nicht sinnvoll, das
Gedächtnis durch reines Auswendiglernen und Merkübungen verbessern zu wollen.
Dieses könnte zu einer unnötigen zusätzlichen Belastung des Patienten führen
und durch ständige Misserfolgserlebnisse eher entmutigen.
Wenn
die Gedächtnisstörungen durch andere Störungen wie z.B. durch eine gestörte
Wahrnehmung, Aufmerksamkeit oder ein gestörtes Verständnis bedingt ist, sind
diese Funktionen zu behandeln. Handelt es sich im engeren Sinne um eine Gedächtnisstörung,
zielt eine sinnvolle Therapie überwiegend darauf ab, die Behinderungen im
Alltag und Berufsleben so gering wie möglich zu halten, indem individuell je
nach Störungsmuster Ersatzstrategien erlernt und angewendet werden. Als
Ersatzstrategie haben sich zum Beispiel das Bilden von Reimen oder das Anknüpfen
an Bekanntes erwiesen.
Zusätzlich
können bei leichten Gedächtnisstörungen Lerntechniken vermittelt werden, die
den Wiedereinstieg in die Schule oder den Beruf erleichtern. Bei stark ausgeprägten
und länger anhaltenden Gedächtnisstörungen liegt der Schwerpunkt der Therapie
auf Gedächtnisstützen (Gedächtnisbuch, Terminkalender, Notizbuch, Pager,
Handy) und deren Gebrauch im Alltag.
Bei
sehr schweren Gedächtnisstörungen sind diese Strategien manchmal nicht mehr möglich.
Hier ist es nötig, die Umwelt an den Patienten anzupassen. Dazu können
Schilder und Beschriftungen angebracht werden, die es dem Patienten ermöglichen,
sich zu orientieren Ihr Team der Neurologischen Klinik Westend
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